Religions, Worldviews, Ethics

Mit einem thematischen deutsch-englischen Glossar interreligiöse und interweltanschauliche Sprachfähigkeit fächerübergreifend entwickeln


Jens-Peter Green


Zusammenfassung

Der Beitrag beleuchtet die lexikalischen Herausforderungen interreligiöser und interweltanschaulicher Kommunikation in der internationalen Verkehrssprache Englisch. Er plädiert für eine fächerübergreifende Kooperation zwischen dem Englischunterricht und dem bilingualen Sachfachunterricht bei der Vermittlung der notwendigen Sprachkompetenz. In diesem Zusammenhang wird das englisch-deutsche thematische Glossar Religions, Worldviews, Ethics vorgestellt, das im Rahmen des Netzwerks Bilingualer Religionsunterricht an der Universität Erlangen-Nürnberg entwickelt wird. Das Glossar beruht auf einer Auswertung eines breiten Spektrums schriftlicher und mündlicher Texte und ist als Hilfe für Lehrende, Lernende sowie Verfasserinnen und Verfasser von Unterrichtsmaterialien konzipiert.1

Schlagwörter: Interkulturelles Lernen, interreligiöses Lernen, religiöse Sprache, bilingualer Unterricht, Wortschatzarbeit


Religions, Worldviews, Ethics

Using a thematic glossary to build interreligious and inter-worldview communication skills across the curriculum


Abstract

This paper highlights the lexical challenges of interreligious and inter-worldview communication in the international lingua franca English. It argues that that the necessary language skills should be developed in cross-disciplinary cooperation between English as an Additional Language (EAL) and Content and Language Integrated Learning (CLIL) classes. It is in this context that the paper presents the thematic English-German glossary Religion, Worldviews, Ethics which is being developed within the “CLIL in Religious Education” network at the University of Erlangen-Nuremberg. The glossary is based on an analysis of a broad range of written and oral texts in English and German and is designed as a resource for teachers, students and authors of educational materials. 1

Keywords: interreligious learning, religious language, content and language integrated learning (CLIL), bilingual education, vocabulary extension

  1. Lernziel interreligiöse und interweltanschauliche Sprach- und Handlungsfähigkeit

    Wie immer die Schulgesetze der Länder (KMK, 2025) es formulieren, Dialogfähigkeit über kulturelle, religiöse und weltanschauliche Grenzen hinweg ist eines der Kernziele der Schule. Sie ist von besonderer Bedeutung, wo weltanschauliche Unterschiede ein hohes Konfliktpotenzial haben (Shapiro/Iwry, 2022). In einer zunehmend auf Englisch kommunizierenden globalisierten Welt reicht es nicht, auf dieses Ziel ausschließlich in der Erstsprache hinzuarbeiten. Die Schule sollte auch auf Begegnungssituationen im privaten oder öffentlichen Raum vorbereiten, in denen religiöse, weltanschauliche und ethische Fragen in der internationalen Verkehrssprache Englisch zur Sprache kommen (Hollm/Pirner, 2008; Green/Nicolai/Wehner-Zott, 2018; Unterrichtsbeispiele im Anhang). Erfahrungsberichte über internationale Jugendbegegnungen zeigen, dass Jugendliche trotz unterschiedlicher Muttersprachen einen Weg finden, auch über tiefgründige Themen zu kommunizieren (z. B. Pieles/Schulz, 2022; Vivien/Jule, 2022). Es liegt aber auf der Hand, dass der Austausch umso substanzieller ist, je differenzierter der thematische Wortschatz der Beteiligten ist und je sicherer sie über die situationsadäquaten Diskursstrategien und Redemittel verfügen. Das heißt, über grundlegende sprachliche Fähigkeiten zur Bewältigung alltäglicher Kommunikationssituationen (BICS Basic Interpersonal Communication Skills) hinaus ist eine fachlich basierte Diskursfähigkeit (CALP Cognitive Academic Language Proficiency) in den Handlungs- und Interaktionsfeldern Religion, Weltanschauung, Ethik anzustreben (Hallet, 2022, 2).

    Religiöse Sprachfähigkeit ist in einer Zeit, in der immer weniger Jugendliche in Familie oder Kirchengemeinde religiös sozialisiert werden (EKD, 2023, 59–60; von Elm/Findeis/Dreier, 2025), schon in der Erstsprache nicht leicht zu erreichen (Green, 2021b). Umso schwieriger ist dies in einer Fremdsprache, in der rezeptiver und produktiver Wortschatz geringer sind und in der z. T. andere Diskurstrategien gelten. Um diese Schwierigkeiten zu reduzieren, wird seit 2021 im Rahmen des konfessions-, schulform- und länderübergreifenden Netzwerks Bilingualer Religionsunterricht an der Universität Erlangen-Nürnberg ein inhaltlich und sprachlich vernetztes englisch-deutsches Kollokationen-Glossar Religions, Worldviews, Ethics entwickelt, das – anders als das vom Evangelischen Missionswerk herausgegebene Glossar des kirchlichen Sprachgebrauchs (EMW, 2016, Hg.) – unter didaktischen Gesichtspunkten konzipiert ist. Das Sprachmaterial wird der schnellen Übersicht halber in thematischen Austauschtafeln (vocabulary substitution tables) angeboten, aus denen je nach Unterrichtssituation ausgewählt werden kann. Das Glossar umfasst mittlerweile mehr als 890 Seiten Sprachmaterial (Stand: April 2026) und ist damit deutlich ambitionierter als die für andere bilinguale Sachfächer verfügbaren Wortschatzsammlungen (Biologie: Burgtorf/Gersdorf/Menke et al., 2010; Geographie: Eckhardt/Metschar/Moser, 2009; Geschichte: Beck-Zangenberg, 2009). Das Glossar wird allen Interessierten unter der Creative-Commons-Lizenz BY als Word- und PDF-Dokument zur Verfügung gestellt. Wegen des großen Umfangs ist die Suche in der Word-Fassung sehr zeitaufwendig. In dem PDF-Dokument ist sie deutlich schneller möglich. Die jeweils aktuellen Versionen finden sich unter Zenodo: https://doi.org/10.5281/zenodo. 5726733.

  2. Zielgruppen

    Die didaktischen Chancen englischsprachiger bzw. bilingualer Religions- und Ethikangebote sind vom Netzwerk bilingualer Religionsunterricht wiederholt herausgestellt worden (vor allem Green/Pirner/Büngener, 2022). Bilinguale Religionsangebote existieren aber an vergleichsweise wenigen Schulen (Green, 2022a, 14–15). Ihr Fortbestand hängt meist von dem Engagement einzelner Lehrkräfte ab, die einen ausgeprägten biographischen Bezug zu englischsprachigen Ländern haben (z. B. Green/Pirner/Büngener, 2022, 319–322). Die Zahl bilingualer Religionsangebote kann zwar durch Binnendifferenzierungsmaßnahmen für leistungsstarke Schülerinnen und Schüler oder verstärkte Einbeziehung englischer Texte in den deutschsprachigen Religionsunterricht (z. B. Green, 2018a, 51; Green, 2018c; Baumann, 2022; Green, 2025b, M7) erhöht werden;2 es besteht aber wenig Aussicht, sie in absehbarer Zeit signifikant zu steigern. Angesichts dieser Sachlage ist eine Annäherung an das Ziel englischsprachiger interreligiöser und interweltanschaulicher Sprach- und Handlungsfähigkeit in der Schule am ehesten zu erreichen, wenn Englischunterricht, Religionsunterricht und andere relevante Sachfächer kooperieren und Schulen möglichst vielfältige schulische und außerschulische Kommunikationssituationen schaffen, in denen sich die Jugendlichen auf Englisch über religiös-weltanschauliche und ethische Fragestellungen austauschen können (Boehme, 2025; Begegnungstypologie im Anhang). Entsprechend wendet sich das Glossar nicht nur an Lehrkräfte, die englischsprachige bzw. bilinguale Religions- oder Ethikangebote unterrichten, sondern ebenso an Lehrkräfte und Autorinnen und Autoren, die religiöse, weltanschauliche und ethische Themen im Englischunterricht (Green, 2022e) oder anderen bilingualen Sachfächern didaktisch-methodisch aufbereiten. In Frage kommen insbesondere Geschichte, Geographie (für beide Fächer: Büngener/Haupt, 2022), Politik/Wirtschaft, Biologie, Musik oder Kunst.

    Wenn hier für eine fächerübergreifende Zusammenarbeit beim Aufbau englischsprachiger interreligiöser und interweltanschaulicher Sprachfähigkeit plädiert wird, geschieht dies ohne Illusionen. Es ist unbestritten, dass die jeweiligen fachspezifischen Ziele Vorrang haben und der Englischunterricht im Spannungsfeld vielfältiger fächerübergreifender Erwartungen steht, denen er bestenfalls annäherungsweise gerecht werden kann (Green, 2022d, 166). Trotz dieser Einschränkungen sollten die zweifelsohne bestehenden fächerübergreifenden Kooperationsmöglichkeiten beim Aufbau interreligiöser und interweltanschaulicher Sprachfähigkeit genutzt werden. Das Glossar bietet dazu inhaltliche und sprachliche Hilfen.

  3. Entstehung und Materialgrundlage

    Das Glossar verarbeitet Erfahrungen und Vorarbeiten aus der Tätigkeit des Verfassers in Schule, Lehrkräftebildung, Auslandsschulwesen (USA, Hongkong) und Lernmittelentwicklung (z. B. Green, 1982; Green, 1993a; Green, 1994; Green /Wehner-Zott, 2018). Die Auswahl des Sprachmaterials erfolgte im Hinblick auf die Zielgruppen vorrangig auf der Basis von Primär- und Sekundärquellen, die sich an ein breites Publikum wenden. Dazu gehören Unterrichtsmaterialien, Nachrichten-, Magazin- und Verkündigungssendungen, Zeitungsartikel aus der lokalen und überregionalen Presse, Flyer und Informationsbroschüren, literarische Texte, Interviews, Aufzeichnungen von Vorträgen und Debatten, Internetauftritte religiöser und weltanschaulicher Gruppen, Blogs und private E-Mails. Ergänzend wurde auch relevante theologische, religionswissenschaftliche, philosophische oder kunsthistorische Fachliteratur ausgewertet. Um einer Überrepräsentierung schriftsprachlicher Ausdrucksweisen entgegenzuwirken, wurden, wo immer möglich, Beispiele spontan gesprochener Sprache (z. B. in Interviews und Debattenbeiträgen) einbezogen. Übersetzungsvorschläge von Online-Wörterbüchern und künstlicher Intelligenz wurden nur dann berücksichtigt, wenn sie sich anhand einschlägiger Originalquellen verifizieren ließen.

  4. Inhaltliche Auswahl, Strukturierung und Vernetzung

    Das Glossar trägt der Vielfalt der Zielgruppen und unterrichtlich potenziell relevanter Inhalte3 durch ein weit gefasstes Themenspektrum Rechnung. Im Schwierigkeitsgrad orientiert es sich wissenschaftspropädeutisch an der oberen Grenze dessen, was im schulischen Rahmen leistbar ist. Für die inhaltliche Auswahl waren folgende Gesichtspunkte leitend:

    1. 1.

      Das Glossar behandelt schwerpunktmäßig die für den westlichen Kulturkreis prägende christliche Überlieferung in Geschichte und Gegenwart. Es bietet Sprachmaterial zu rezeptionsgeschichtlich bedeutsamen Bibelstellen, zu Bibelverständnis und Bibelnutzung, zur Kirchengeschichte und zu wichtigen theologischen Konzepten und Glaubensinhalten.

      Beispiele: Bible – Bible study – Catholic social teaching – Constantinian Shift – Ecumenical movement – Gospels (New Testament) – Jacob’s ladder (Genesis 28:10–25) – Jesus’ death (interpretations) – Jesus’ ministry – Jesus’ resurrection – Kingdom of God – Love according to Paul (1 Corinthians 13) – Prophetic ministry of the church – Prophets – Reformation – Shalom – Sin – Works of mercy

    2. 2.

      Das Glossar berücksichtigt vorrangig religiös-weltanschauliche Gegebenheiten und Entwicklungen in englisch- und deutschsprachigen Ländern. Zudem vermittelt es Strategien zum Umgang mit englisch- bzw. deutschsprachigen Funktions- und Institutionsbezeichnungen. Selbstbezeichnungen (z. B. Church of Jesus Christ of Latter-day Saints) haben dabei Vorrang vor Fremdbezeichnungen (Mormons), es sei denn die religiöse Gruppe (Religious Society of Friends) benutzt eine ursprüngliche Fremdbezeichnung (Ǫuakers) selbst.

      Beispiele: Aboriginal spirituality – Amish – Anglican Communion – Bible Belt – Christian clergy – Church of Jesus Christ of Latter-day Saints (Mormons) – Celtic Spirituality movement – Evangelicals – German Church Struggle – German Evangelical Alliance – German Peasants’ War (1524–1526) – German titles and institutions – Hutterites – Kirchentag – Methodism – Moravian Church – Peasants’ Revolt (1381) – Pilgrims (Plymouth Colony) – Puritans – Ǫuakers (Society of Friends)

    3. 3.

      Das Glossar trägt der religiös-weltanschaulichen Heterogenität in globalisierten, sich säkularisierenden Gesellschaften Rechnung. Es bietet Sprachmaterial zur Artikulation religionsaffiner, religionsindifferenter und religionskritischer Positionen.

      Beispiele: Alevism – Anthroposophy – Bahai Faith – Belief and doubt – Buddhism – Cults – Effective altruism – Hinduism – Islam – Jainism – Judaism – Neo-paganism – New Age – Parables: Parable of the Madman (Nietzsche) – Patchwork religion – Religion: Ambivalence – Religious diversity and pluralism – Secularisation – Sikhism – Shinto – Syncretism – Transhumanism – Yazidis (Ezidis)

    4. 4.

      Das Glossar bietet Sprachmaterial zu existenziellen Grunderfahrungen.

      Beispiele: Forgiveness – Guilt – Happiness – Hope – Life’s big questions – Love (objects and types) – Meaning in life – Moments of being (Virginia Woolf) – Peak experiences – Religious experiences

    5. 5.

      Das Glossar thematisiert die Funktionen und Wahrheitsansprüche religiöser und nicht-religiöser Glaubenssysteme.

      Beispiele: Religion: Functions – Religion and science – Religion and state – Religion as opium of/for the people – Religious truth – Revelation claims – Worldviews and life orientations

    6. 6.

      Das Glossar bietet Sprachmaterial zu sprachlichen und nichtsprachlichen Ausdrucksformen der Sinnsuche und Sinnfindung in Religion, Philosophie, Literatur, Film, Musik, Tanz, bildender Kunst und Architektur.

      Beispiele: Apocalyptic literature – Bible through dance – Canticle of the Sun – Church architecture – Creeds – Gospel music – Gregorian chants – Labyrinths and mazes – Legends and hagiographies – Light (universal symbol) – Litany – Meditative singing – Metaphors – Myth – Poetry as food for the soul – Prayer – Psalms – Religious architecture – Road novels and movies – Spirituals – Stoic ethics – Symbols – Theatre of the Absurd – Utopian thought: Eutopias/Anti-utopias – White Crucifixion (Marc Chagall) – Wisdom literature

    7. 7.

      Das Glossar bietet Sprachmaterial zur inneren Vielfalt, Wandelbarkeit, soziokulturellen Verflochtenheit und Ambivalenz von Religionen und Weltanschauungen. Dabei berücksichtigt es konfessionelle, kulturelle, sozioökonomische und Gender-Faktoren.

      Beispiele: Church of England: High church/Low church/Broad church – Gender and religion – Jesus in the movies – Judaism: Judaism of Jesus’ day/Ethnic branches/Religious branches – Post-Christian societies – Posthumanism – Postsecularism – Religion: Ambivalence – Religion in the social media – Religious change – Religious affiliation and membership – Religious conflict and violence – Religious diversity and pluralism – Women and religion

    8. 8.

      Das Glossar thematisiert ethische Ansätze, Konzepte und Prinzipien. Es bietet Sprachmaterial zur Diskussion kontroverser individual-, sozial- und umweltethischer Probleme.

      Beispiele: Abortion – Animal ethics – Assisted suicide – Business ethics – Committed relationship – Economy for the Common Good – Embryo rights – Ethical approaches – Ethical issues and dilemmas – Golden rule – Human rights – In vitro fertilisation (IVF) – Justice – Medical ethics – Moral Circle – Order of love – Platinum rule – Prenatal medicine – Responsible sexuality – Surrogate motherhood – Sustainable living – Terminal care

    9. 9.

      Das Glossar bietet Redemittel für subjektiv-selbstoffenbarendes (expressives) und sachlich-distanziertes Reden und Schreiben über religiös-weltanschauliche Inhalte.

      Beispiele: Abstracts – Creeds: Expressing faith – Definitions – Ethical judgements – Revelation claims – Wonder: Expressing a sense of wonder

    10. 10.

      Das Glossar bietet Redemittel für konfrontatives und konsensorientiertes Reden und Schreiben über religiös-weltanschauliche Inhalte. Es thematisiert Argumentationsstrategien und Argumentationsfehler.

      Beispiele: Arguing a case – Appeal to ancient wisdom – Argumentum ad hominem – Debating – Interfaith comparisons – Interfaith dialogue – Is-ought fallacy – Slippery slope argument – Straw man argument – Tu quoque argument – Whataboutism

    11. 11.

      Das Glossar bietet Formulierungen für konventionelle und personalisierte, religiös und nicht-religiös konnotierte Verbundenheitsbezeugungen bei religiös und lebensgeschichtlich bedeutsamen Anlässen.

      Beispiele: Blessing: Religious and non-religious blessings – Festivals and holidays: Holiday greetings and wishes – Grief and mourning: Death Announcements/Expressing condolences – Rites of passage: Weddings: Wedding vows

      Umfangreichere Einträge (z.B. Angels) sind thematisch untergliedert. Biblische und außerbiblische Belegstellen und Ǫuellenangaben (z. B. in den Unterabschnitten Angel of Yahweh und Hierarchy of angels) ermöglichen religions- und ideengeschichtliche Einordnungen und weiterführende Recherchen. Ǫuerverweise innerhalb des Glossars stellen inhaltliche Bezüge her, u. a. zu Vertrauenspsalmen, zum Deuteengel in der apokalyptischen Literatur, zum Offenbarungsengel im Islam oder zu Engelsvisionen bei Nahtoderfahrungen.

      Die inhaltliche Auswahl der Glossareinträge ist nicht abgeschlossen. Neue technische und soziale Entwicklungen führen zu neuen Fragestellungen und neuen Begrifflichkeiten (z. B. suicide pods, digital immortality, TESCREAL, Christ/Christ‘s inffuencers). Alte, im Religionsunterricht wenig berücksichtigte theologische und philosophische Konzepte (z. B. ensoulment, moral circle, order of love) erlangen in Kontexten wie Migrationspolitik, künstlicher Intelligenz oder Bioethik wieder Aktualität (z. B. Green 2023, 8; Green, 2025a, 1, 4). Deshalb wird das Glossar kontinuierlich um Themen und Aspekte aus der religiösen, pädagogischen und gesellschaftlichen Diskussion erweitert.

  5. Sprachliche Vernetzung, Differenzierung und Hilfen

    Das Glossar trägt den unterschiedlichen sprachlichen Voraussetzungen der Lerngruppen und der Vielfalt möglicher Kommunikationssituationen Rechnung. Für die Auswahl und Anordnung des Sprachmaterials in den zur Sprache kommenden Themenbereichen waren folgende Gesichtspunkte leitend:

    1. 1.

      Sprachmaterial wird auf alltags-, bildungs- und fachsprachlichem Niveau angeboten. Dabei werden auch regionale Varianten berücksichtigt.

      Beispiele: (to) get rid of it (informal) – (to) end/terminate/abort a pregnancy (Abortion: Ending a pregnancy) – (to) allow abortion only with a doctor’s/physician’s (AmE) permission/approval/consent (Abortion: Regulating abortion)

    2. 2.

      Optionale und kontextabhängige Elemente werden dabei in Klammern gesetzt.

      Beispiele: (to) lead to long-term (health) damage (Abortion: Backstreet abortions) – safe access (buffer) zones around abortion clinics (Abortion: Safe access zones) – (to) keep (the) ashes at home (Burials, burial grounds, burial types: Cremations)

    3. 3.

      Kollokationen erleichtern die Verwendung des angebotenen Sprachmaterials in Satzzusammenhängen.

      Beispiele: (to) waste/(to) squander the moment (Carpe diem) – (to) take care of/(to) meet)/(to) provide for all the patient’s needs/the total needs of the patient (Terminal care)

    4. 4.

      Bei Synonymen bzw. Beinahe-Synonymen steht die einfachere Formulierung in der Regel vor der anspruchsvolleren, z. B. (to) come to terms with one’s approaching/imminent/impending death (→ Dying: Responses of the dying patient). Wo didaktisch angezeigt, werden Bedeutungsnuancen erläutert.

      Beispiele: non-believer/unbeliever/disbeliever (Belief and doubt), empathy/sympathy/compassion/pity/mercy (Empathy, compassion, mercy), millenarian/millennialist/chiliastic (Intentional communities: Communal living), lump of cells/emerging human life/unborn baby (Abortion: A bit of tissue or unborn life?)

    5. 4.

      Nominal- und Verbalstil werden gleichermaßen berücksichtigt. Abstrakten nominalen Begriffen wie distributive/procedural/intergenerational/environmental justice (Justice) werden verbale Formulierungen zugeordnet, die zeigen, was mit dem jeweiligen Begriff gemeint ist.

      Beispiele: (to) seek/(to) achieve fair results/outcomes – (to) ensure fair and transparent decision-making processes – (to) not live at the expense of future generations – (to) distribute environmental benefits and burdens fairly/equitably

    6. 6.

      Bildhafte Sprache hilft, religiös-weltanschauliche Inhalte einprägsam und emotional wirksam in Worte zu fassen.

      Beispiele: God as a glowing oven full of love (God: God is love) – life as a journey/pilgrimage/rollercoaster/mountain/puzzle (Life metaphors) – hope as a(n) new dawn/seed that grows/floating balloon/engine that drives people forward (Hope: Metaphors of hope) – religion as the sigh of the oppressed creature/as opium of/for the people/masses (Religion as opium of/for the people)

    7. 7.

      Übersetzungsvarianten, z. B. von Reich Gottes als Gabe und Aufgabe bzw. Zuspruch und Anspruch, schärfen das Bewusstsein für Bedeutungsnuancen und helfen bei der Klärung vielschichtiger Begriffe.

      Beispiele: the kingdom of God as a promise and demand/expectation/call; mit sozialethischem Beiklang: call to action (Kingdom of God: The kingdom of God as a gift and a task)

    8. 8.

      Antithetische Formulierungen helfen, Widersprüche und Gegensätze rhetorisch effektiv zu formulieren.

      Beispiele: (to) be affected the most by climate change (to) contribute the least to climate change (Justice: Climate Justice) – (to) let go of sth. (to) hold on to sth. (Letting go) – (to) live in harmony with nature (to) live beyond the limits of nature (Sustainable living)

    9. 9.

      Intensifiers und downtoners (softeners) verstärken oder vermindern die emotionale Intensität einer Aussage.

      Beispiele: I strongly/firmly/passionately believe – I believe with all my heart – I dare to believe (in spite of everything) – I would like to believe (Creed: Expressing faith) – We seem to have some misunderstanding/a misunderstanding of sorts (Interfaith dialogue: Deal constructively with misunderstandings)

    10. 10.

      Zeitgebundener, diskriminierender und politisch umstrittener Sprachgebrauch wird durch distanzierende Anführungszeichen und/oder Erläuterungen gekennzeichnet.

      Beispiele: (to) ”dejudify“/(to) “dejewify“ (German Church Struggle: “Dejudaisation“) – “Jewish pig“/“Jewish sow“ (Antisemitism in the visual arts) –“popish“ elements (Puritans: Puritans and the Church of England) – Note that in English, titles suggesting God’s activity like Maker, Liberator, or Defender are gender-inclusive, whereas their German equivalents are not. (God – father and mother) – Note that these colour idioms [black magic white magic] may be offensive to black people (Magic: Harmful and helpful magic)

    11. 11.

      Klammerzusätze zur Etymologie, zu Fundstellen, zu Stilmitteln, zum Sprachgebrauch oder zu kulturellen Besonderheiten ermöglichen sprachliche und kulturelle Einordnungen und Vergleiche.

      Beispiele: baptism (Bible) verse (not customary in English churches) – Maundy Thursday (from Latin mandatum: commandment) mit Verweis auf Johannes 13,34 (Church year: Maunday Thursday) – champing/Her(r)bergskirche (Church closures: New uses) – (to) disciple sb. to do sth. (evangelical usage) (Disciples: Following Jesus)

    12. 12.

      Lernschwierigkeiten bei unregelmäßigen Verben, Präpositionen oder interferenzbedingten Fehlerquellen werden durch Fettdruck hervorgehoben:

      Beispiele: (to) bear the brunt of climate change (bore, borne) (Justice: Climate justice) – (to) discriminate against poor/low-income communities (Justice: Environmental justice) – socially/culturally/ecologically responsible tourism (Responsible tourism)

    13. 13.

      Bei naheliegenden Übergeneralisierungen geläufiger Aussprachemuster (z. B. Job, Michaelmas, stupa) wird die britische Aussprache in phonetischer Transkription angegeben. Bei anderen Ausspracheschwierigkeiten wie ungebräuchlichen Eigennamen (Zacchaeus, Augustine, Irenaeus) oder den Betonungsmustern von Komposita romanischen Ursprungs (z.B. omnibenevolent, omnipotent) kann man sich das jeweilige Einzelwort von einem Internetwörterbuch in britischer oder amerikanischer Aussprache vorsprechen lassen.4

  6. Einsatzmöglichkeiten

    Anders als in den Anfangsjahren des bilingualen Religionsunterrichts (Schuhbeck, 1998–2017) kann man heute lexikalische Fragen mithilfe künstlicher Intelligenz leicht ad hoc klären. Frei zugängliche Übersetzungssoftware wie DeepL oder ChatGPT liefert innerhalb von Sekunden Übersetzungsvorschläge, die beim jetzigen Entwicklungsstand zwar nicht immer ganz kontextgerecht und idiomatisch, in den meisten Fällen aber durchaus brauchbar sind. Mit dieser benutzerfreundlichen Geschwindigkeit kann das Glossar Religion, Worldviews, Ethics nicht konkurrieren. Seine Stärken liegen in seinem fächerübergreifenden Ansatz, seiner inhaltlich-sprachlichen Differenzierung, seiner Strukturierung und Vernetzung und seinen Anmerkungen zu Etymologie, Sprachgebrauch und kulturgeschichtlichen Bezügen.

    Als didaktisch vorstrukturierte Redemittelsammlung entlastet das Glossar Lehrkräfte sowie Autorinnen und Autoren von Lernmaterialien bei der Unterrichtsvorbereitung, der Konzeption von Input- und Output-Scaffolding (Green, 2021b; Green 2022c), der Sicherung von Lernergebnissen oder der Korrektur schriftlicher Arbeiten. Als thematische Stoffsammlung vermittelt es darüber hinaus inhaltliche Anregungen für die Unterrichtsplanung, vor allem mögliche thematische Schwerpunktsetzungen, Vertiefungen und Erweiterungen. Geht man z. B. beim Leitthema „Sterben und Tod als Anfragen an das Leben“ (Niedersächsisches Kultusministerium, 2016, 14) den Ǫuerverweisen des Glossars nach, stößt man auf folgende Einträge, die unterschiedliche Aspekte des Leitthemas kurz und prägnant erschließen:

    Tod und Vergänglichkeit: Life’s big questions – Death – Transience – Carpe diem – Memento mori – Vanitas in art and literature – Dance of Death – YOLO – Life stories – Letting go – Hope – Immortality: Digital immortality

    Sterben und Sterbebegleitung: Dying – Terminal care – Pain and pain control – Hospices – Carers – Works of mercy – Ethical judgements

    Selbsttötung und Euthanasie: Assisted suicide – Suicide – Helplines – Euthanasia – Ethical judgements

    Bestattungskultur: Burial, burial grounds, burial types – Graves – Churchyard conservation – Catacombs – Cadaver monuments – Hinduism: Open-air cremations – Tallit: Burial in a tallit

    Trauer und Trauerriten: Rites of passage: Transitions – Grief and mourning – Church year: All Saints’ Day and All Souls’ Day – Church year: Eternity Sunday/Christ the King/Reign of Christ – Kaddish – Shiva (Judaism) – Mizuko kuyō

    Lehrkräfte bzw. Autorinnen und Autoren von Lernmaterialien können das für ihre Zielgruppe und Unterrichtskonzeption relevante Sprachmaterial auswählen und für ihre Zwecke adaptieren:

    • Der Themenwortschatz kann bei der Erstellung von Arbeits- und Aufgabenblättern, Lernhilfekärtchen und Rollenkarten in die Einführungen und Aufgabenstellungen integriert oder in Form von Wortbanken eigens ausgewiesen werden (z. B. Green, 2025c, 9–10).

    • Alternative Formulierungsvorschläge können zur Sensibilisierung für religiös-weltanschauliche Konnotationen von Begriffen und Bezeichnungen genutzt werden,

      z. B. end-of-life companion/griefwalker/midwife to the dying/soul doula (Carers: end-of-life companions).

    • Abgestufte Formulierungen ermöglichen differenzierte Meinungsäußerungen, z. B. zu kontroversen Fragen wie assistierte Selbsttötung oder Euthanasie: (to) be dubious/troubling/completely unconscionable/shameful/a disgrace (Ethical judgements).

    • Unterschiedliche Bezeichnungen derselben Perikope, z. B. binding/near-sacrifice/offering of Isaac – Abraham tested (Binding of Isaac (Genesis 22:1–19)) spiegeln unterschiedliche Perspektiven auf den biblischen Text und fordern zur vertieften Auseinandersetzung auf (Pirner/Green, 2021, 3; zum Zusammenhang von sprachlicher und inhaltlicher Differenzierung: Green, 2022g, 234).

    • Ausschnitte aus verschiedenen Glossar-Einträgen können – ggf. mit neuen Zwischenüberschriften – lerngruppenspezifisch kombiniert und den Schülerinnen und Schülern zum Nachschlagen oder Nacharbeiten (online oder in Papierform) zur Verfügung gestellt werden.

    • Als semantische oder interkulturelle Verständnishilfe und Motivationsfaktor können Illustrationen – Fotografien, Reproduktionen von Gemälden, Karikaturen oder Schaubilder – hinzugefügt werden (Green, 2022b, 89). Bei der Auswahl des Sprachmaterials ist zu beachten, dass in vielen Situationen die einfachere, allgemeinsprachliche Formulierung kommunikativ angemessener ist als die bildungs- oder fachsprachliche. Im Zweifel gilt: Keep it simple. Shorter is better, and less is more. In jedem Fall ist zu bedenken, dass die Vorgabe sprachlicher Hilfen eine inhaltliche Steuerung bedeutet. Zwischen Freiraum und Hilfe ist eine zielgruppengerechte Balance anzustreben; auf keinen Fall dürfen die Lernenden gegängelt werden (Green, 2021b, 169).

  7. Verbreitung, Rezeption und Perspektiven

Nach Erscheinen des Handbuchs Religionsunterricht bilingual. Didaktische Perspektiven und Anregungen (Green/Pirner/Büngener, 2022) wurden mögliche Interessenten, vor allem Gymnasien mit bilingualen Angeboten und Institutionen der Lehrkräftebildung in Deutschland, Österreich und der deutschsprachigen Schweiz per E-Mail auf das Handbuch und das fächerübergreifend einsetzbare Glossar hingewiesen. Darüber hinaus wurden in verschiedenen unterrichtspraktischen Veröffentlichungen des Verfassers zu Religions- und Ethikthemen im Englischunterricht (vor allem in der Sprachzeitschrift World and Press sowie den RAAbits-Englischmaterialien) gezielt auf die jeweils relevanten Themenbereiche des Glossars verwiesen. Als messbares Ergebnis ist festzuhalten, dass das Glossar inzwischen über 3200-mal angesehen und über 5600-mal heruntergeladen worden ist (Stand: April 2026). Die Zahl der tatsächlichen Nutzerinnen und Nutzer liegt allerdings niedriger, wenn Einzelne mehrere verschiedene Fassungen des Glossars angesehen oder heruntergeladen haben.

Am Descartes-Gymnasium Neuburg a. d. Donau wurden 2023 im Rahmen bilingualer Module zum Hinduismus und Buddhismus 41 Schülerinnen und Schüler der 10. Jahrgangsstufe nach ihren Erfahrungen mit den Glossarauszügen befragt, die ihnen weitgehend unverändert als PDF-Dokument über die schulische Lernplattform zur Verfügung gestellt worden waren. 83 Prozent der Probanden gaben an, das Glossar mindestens ein- oder zweimal benutzt zu haben, und zwar vorwiegend zum Formulieren eigener Antworten (54 Prozent). 66 Prozent fanden das Glossar nützlich, 63 Prozent übersichtlich oder praktisch. 32 Prozent dagegen kritisierten es als unübersichtlich oder verwirrend. Kommentare wie „zu viele unnütze Wörter“ oder der Wunsch nach nützliche[n] Wörter[n] zum Test“ unterstreichen die Notwendigkeit, aus dem lexikalischen Überangebot des Glossars auszuwählen und es lerngruppenspezifisch zu adaptieren.

Ähnlich vermerkt eine Lehrkraft, das Glossar sei für ihren Bedarf „vielleicht ein wenig zu umfangreich“, aber „sehr hilfreich“ für den Erwerb des Grundwortschatzes für ein neues Themengebiet. Eine andere Lehrkraft berichtet, sie wähle die benötigten Wortfelder aus und stelle sie in einem Dokument für die Schülerinnen und Schüler zusammen. Eine dritte Lehrkraft schreibt, sie nutze das Glossar „gelegentlich [...], um selbst Vokabeln noch einmal zu prüfen und um thematische Listen zu Beginn einer Einheit für die Schüler/innen zu erstellen“. Rückmeldungen aus anderen Fächern liegen nicht vor. Da die Zahl der heruntergeladenen Glossare die Zahl der bilingual unterrichtenden Religionslehrkräfte (Green, 2022a, 15; Green/Nicolai/Wehner-Zott, 2018, 36) deutlich übersteigt, ist zu vermuten, dass das Glossar auch von Lehrkräften anderer Fächer, möglicherweise auch von außerschulischen Nutzerinnen und Nutzern, verwendet wird.

Wünschenswert wäre, Lehramtsstudierende sowie Referendarinnen und Referendare mit der Fächerkombination Englisch/bilingual relevantes Sachfach zu ermutigen, das Potenzial und die Limitierungen des Glossars in Schulpraktika und Referendariat zu erproben. Ausgangspunkt für begrenzte Action-Research-Vorhaben (Wallace, 1998; Burns, 2010) könnten folgende Annahmen sein: Lernende profitieren für ihre produktive Sprachverwendung am meisten, wenn die folgenden Bedingungen erfüllt sind:

  1. 1.

    Relevantes Sprachmaterial ist in begrenzter Auswahl in die Lernmaterialien integriert.

  2. 2.

    Produktiv zu beherrschendes Vokabular wird z. B. durch Fettdruck gekennzeichnet (Beispiele in Green/Pirner/Büngener, 2022, 110–111, 113 und in D1 und D3 im Online-Anhang).

  3. 3.

    Für leistungsstarke Lernende werden lexikalische Zusatzangebote bereitgestellt.

  4. 4.

    Eingeführtes Vokabular wird in verschiedenen thematischen Zusammenhängen verwendet und gefestigt.

  5. 5.

    In den Ergebnissicherungsphasen werden die Lernenden angehalten, die für sie individuell wichtigsten Formulierungen selbstständig festzuhalten.

  6. 6.

    Unterrichtsbegleitend wird den Lernenden eine ansprechend präsentierte Auswahl themenspezifischen Vokabulars zugänglich gemacht, auf das sie bei ihrer Unterrichtsarbeit zurückgreifen können. Dieses wird zum Abschluss der Unterrichtseinheit gemeinsam mit den Lernenden erweitert bzw. gekürzt.

  7. 7.

    Lernende ab dem Sprachniveau B1+ des Gemeinsamen europäischen Referenzrahmens für Sprachen des Europarates (Council of Europe, 2001) können das Glossar nach einer Einführung (unbearbeitet und ungekürzt) selbstständig für Hausaufgaben, Präsentationen, Debattenvorbereitungen oder Facharbeiten nutzen.

Idealerweise geschähe die Überprüfung dieser Leitsätze in Zusammenarbeit von Schule und Universität, etwa im Rahmen eines Beifachs „Bilinguales Lehren und Lernen“, wie es an der Universität Greifswald für die Fächerkombination Englisch/Geschichte, Englisch/Geographie und Englisch/Kunst und Gestaltung angeboten wird. Ein nicht zu unterschätzender Nebeneffekt einer Auseinandersetzung mit dem Glossar dürfte sein, dass die beteiligten angehenden und praktizierenden Lehrkräfte ihre eigene lexikalische Kompetenz erweitern und differenzieren. Dies ist jedenfalls die Erfahrung des Verfassers dieses Beitrags.

Anhang:

Interreligiöse und interweltanschauliche Begegnungssituationen

Die folgende Typologie bietet Orientierung für die Entwicklung schulischer Konzepte zur interreligiösen und interweltanschaulichen Sprachfähigkeit. Für die Konzeption von Unterrichtsmaterialien zu diesem Themenkreis wären Dokumentationen hilfreich, die für verschiedene Altersstufen zeigen, in welchen situativen Kontexten und zu welchen Themen interreligiöse und interweltanschauliche Jugendbegegnungen stattfinden, wie Jugendliche über Glaubens- bzw. Existenzfragen sprechen und wo sie an lexikalische und kommunikative Grenzen stoßen.

  1. 1.

    Realbegegnungen

    1. 1.1

      Medial vermittelt

      • -

        eTwinning-Projekte (z. B. Zeidler, 2006/2022; PAD, 2020)

      • -

        Chat der Welten (Fulterer, 2023)

    2. 1.2

      Direkt-persönlich (von Angesicht zu Angesicht, am selben Ort zur selben Zeit)

      • -

        Einbeziehung von englischsprachigen Gastschülerinnen und -schülern und Assistenzlehrkräften in den Unterricht (Schuhbeck, 1998–2017; Green, 1984, 8; Green, 1993b, 388, 391–392)

      • -

        Kirchenbesichtigungen, z. B. der Kathedrale von Canterbury, im Rahmen einer Studienfahrt in ein englischsprachiges Land (Stadtportal Ahlen, 2024; Canterbury Cathedral o.J.)

      • -

        Teilnahme an internationalen Dialogseminaren und Projekten, z. B. im Rahmen des ERASMUSplus-Programms (St. Ursula-Schule Hannover, 2015; Hessenauer, 2022; Wanzek, 2012 und, deutlich ernüchtert, Wanzek,

        2023)

      • -

        Teilnahme an internationalen religiösen Jugendtreffen (z. B. Vivien C Jule, 2022; Kowalczyk C Schnabel, 2023; Strecker C Meyerink, 2023)

      • -

        Teilnahme an religiösen und zivilreligiösen Aktivitäten in Gastfamilie, Gastschule oder Rotary Club in einem englischsprachigen Land, z. B. Sprechen von Tischgebeten, Besuche von Gottesdiensten und Gemeindeveranstaltungen (Kaschta, 1996; Schröder, 2022b; Franzen, 2022), Remembrance-Day-Zeremonien (Edwards, 2018)

  2. 2.

    Simulierte Begegnungen

    1. 2.1

      Fiktiver E-Mail-Austausch

      • -

        Antwort auf eine Happy-Diwali-Karte einer indischen Partnerklasse (Green, 2022, 211)

    2. 2.2

      Dialogübungen/Rollenspiele

      • -

        Fragen bzw. Nachfragen zu religiösen Inhalten und Bräuchen (Green, 2018b, 6, 11; Green, 2020a, 8, 13–14; Green 2020b, 12, 19)

      • -

        Dialoge zu einem religiös oder weltanschaulich bedeutsamen Kunstwerk, z. B. zu Banksy-Werken (Green, 2025b, S. 4, ZM1) oder zur Wittenberger „Judensau“ (Green, 2021a, 16–18, 22–23)

      • -

        Interviews mit Kirchenvertretern zur Rolle der Kirchen in gesellschaftspolitischen Debatten, z. B. zur Ehe für alle (Green, 2018d, 6–8, 24)

      • -

        Dialoge in englischsprachiger Gastfamilie zu fremder Frömmigkeits- oder zivilreligiöser Praxis (Green, 2022f, 213; Green, 2024, 22, 38–39) oder kon-troversen ethischen Fragen, z. B. Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen (Green, 2025c, 14)

      • -

        Reisebegegnungen, die unerwartet tief gehen, bis hin zur verletzlich machenden Selbstoffenbarung (Pollok C Van Reken, 1999/2001, 133), z. B. bei einer dreitägigen Zugfahrt durch Kanada (Scholz, 2025)

    3. 2.3

      Debatten

      • -

        Debatten zu kontroversen bio-, sozial- und wirtschaftsethischen oder religiösen Themen (z. B. Höness, 2007; Green C Wehner-Zott, 2018; Bell, o. J.)

      • -

        Model UN: mehrtägiges internationales Planspiel zur Arbeit der Vereinten Nationen zu aktuellen politischen Fragen (z. B. John F. Kennedy School, 2025; OLMUN, 2025), gleichzeitig Realbegegnung von Jugendlichen aus verschiedenen Ländern

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Dr. Jens-Peter Green, Oberstudiendirektor a.D., ist Mitinitiator des Netzwerks Bilingualer Religionsunterricht an der Universität Erlangen-Nürnberg.


1 Ich widme diesen Beitrag der Erinnerung an meine Mutter Gisela Green (1926–2025), die mich sorgsamen Umgang mit Sprache gelehrt hat.

2 Am Ratsgymnasium Stadthagen (Fachlehrerin: Birgit Conrad) wurde z. B. im Schuljahr 2024/25 in einer 9. Klasse ein englischsprachiger Differenzierungsbaustein „Hospices“ im Rahmen einer deutschsprachigen Unterrichtseinheit „Kreuz, Tod und Sterben“ angeboten. Im Schuljahr 2025/26 konnten sich die Schülerinnen und Schüler einer 6. Klasse wahlweise mit Louis Armstrongs säkularem Lobpsalm „What a wonderful world“ auf Deutsch oder Englisch auseinandersetzen. Diese Form bilingualen Religionsunterrichts ist in Green, 2022a nicht berücksichtigt. Sie sollte im Rahmen weiterer Unterrichtsversuche erprobt und evaluiert werden.

3 Beispiele für den Englischunterricht in Green, 2022d und 2022e sowie die Literaturliste zum Themenkomplex Religion im Englischunterricht auf der Internetseite des Netzwerks Bilingualer Religionsunterricht (www.biliru.de).

4 Für diesen und andere Hinweise danke ich Jens Büngener, Gymnasium Martino-Katharineum, Braunschweig.

5 Für die Durchführung der Umfrage danke ich Johannes Zapp.



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